•  

Ailton: Sein neues Leben in den USA

In der Fußball-Bundesliga gehört Ailton (45) zu den wenigen Ausländern, die mehr als 100 Tore vorweisen können. Mit seinen Toren wurde Werder Bremen 2004 Deutscher Meister. Nach seiner Karriere verschlug es den Kugelblitz zwischenzeitlich ins australische Dschungelcamp. Mittlerweile lebt Ailton im amerikanischen Dallas. Mit BouleWAHR sprach der Brasilianer über sein Leben in den Staaten, seinen unbezahlten Job dort in einer Fußball-Akademie und wie er sich

Ailton, wir treffen dich heute beim Schauinsland-Reisen-Cup in Gummersbach. Du lebst aber eigentlich in den USA, richtig?

Genau, mit meiner Frau Rosalie und den Kindern bin ich vor Kurzem nach Dallas in Texas gezogen. Ab und zu bin ich mal einen Monat in Deutschland. Dann mache ich ein paar Jobs, wie jetzt zum Beispiel das Charity-Turnier von Lukas Podolski.

Bist du denn noch häufig in deiner Heimat Brasilien?

Ja klar, da habe ich auch eine Immobilienfirma. Außerdem schaue ich mir auch die talentierten jungen Fußballer aus Südamerika an. Ich überlege, ob ich mich als Spielerberater versuche. Scout wäre nicht so mein Ding, da ist man sehr viel unterwegs und das geht auf Kosten der Familie. Als Spielerberater kann man Vieles von zu Hause aus erledigen.

Ailton plant neue Karriere als Spielerberater

Was könntest du jungen Spielern mit auf den Weg geben?

Ich persönlich habe in meiner Karriere recht viele Vereinswechsel hinter mir. Aber das ist nichts, das ich weiterempfehlen würde. Man muss immer schauen. Wenn man bei einem Club regelmäßig spielt und sich wohlfühlt, kann man auch mal zehn Jahre bei ein und demselben Verein sein. Jungen Spielern würde ich immer raten, vorerst bei dem Team zu bleiben, bei dem man wachsen kann. Die größeren Schritte kann man später immernoch gehen. Neue Leute, neuer Trainer, neues System… diese Integration kann immer schwerfallen.

Miro Klose war bei Werder Bremen der Nachfolger von Ailton.

Sprichst du da auch aus persönlicher Erfahrung? Du bist ja damals auch von Werder Bremen weg, obwohl du dort Meister und Torschützenkönig wurdest…

Ja, vielleicht hätte ich damals auch besser in Bremen bleiben sollen. Bei meinen anschließenden Wechseln zu Schalke oder nach Istanbul war alles neu und das Einleben ist mir schwergefallen. Natürlich wollen alle Spieler wechseln, wenn sie mehr Geld verdienen können. Als Fußballer hat man ja nichts zwangsläuig eine lange Karriere, in der man sich finanziell absicher kann. Man weiß ja auch nie was passieren kann. Ich habe zwanzig Jahre nahezu ohne schwere Verletzung gespielt, aber das kann immer passieren.

In die USA ausgewandert – für die Familie

Ailton fährt auf dem Motorrad durch Dallas. Foto: Instagram

Lebst du denn die meiste Zeit in Amerika?

Meine Frau ist Mexikanerin und sie hat eine große Tochter aus ihrer ersten Beziehung mit einem amerikanischen Mann. Meine Frau hat in Mexiko studiert, arbeitet gerade in der Kosmetikbranche. In Amerika ist die Mentalität ein bisschen größer. Das ist für uns als Familie besser. Seit zwei Jahren lebe ich deshalb mit meiner Frau und unseren Kindern in Dallas/Texas.

Und möchtest du langfristig in den USA bleiben?

Ich denke, wir blkeiben noch etwa zwei Jahre. Wohin es dann gehen soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht zurück nach Deutschland.

Lebt ihr da mitten in Dallas downtown?

Die Innenstadt ist so 15 Minuten von uns entfernt. Das wären uns zu viele Leute, zu überfüllt. Da fühlen wir uns ein wenig weiter draußen ganz wohl.

Wolltest du denn auch unbedingt nach Amerika?

Das ist nicht mein Land. Wäre es meine Entscheidung gewesen, ob wir dort leben wollen, hätte ich „Nein“ gesagt. Aber für die Familie mache ich das. Während meiner aktiven Karriere hat mich meine Frau bei jedem Wechsel begleitet. Nach Deutschland, dann in die Türkei, dann nach Österreich. Jetzt revangiere ich mich dafür. Aber meine Kinder sind jetzt auch in Dallas auf der Schule. Sie sprechen sehr gut Englisch. Ich freue mich wenn meine Kids neben Portugiesisch und Spanisch noch eine Sprache sprechen.

Ailton mit seiner Familie auf dem Weg in die Wahlheimat Dallas.

Am Anfang schwere Eingewöhnungs-Probleme

Wie hast du dich dort eingelebt?

In den ersten sechs bis acht Monaten ist es mir echt schwergefallen. Ich hatte nicht viel Kontakt mit Anderen. Aber über den Fußball hat das dann geklappt. Ich arbeite an einer Jugend-Akademie  und trainiere da auch ein paar Kinder. Das freut mich, dass ich was mit Fußball machen kann. Und es tut mir gut, dass ich nicht den ganzen Tag zu Hause bleibe. Ich verdiene da zwar kein Geld, aber es macht mir Spaß.

Wie kommst du mit der Mentalität in Dallas klar?

Dort gibt es viele Latinos. Da gibt es eine große Community. Mit denen habe ich mehr Kontakt. Sie haben eine ähnliche Kultur wie wir Brasilianer. Mit den Amerikanern tue ich mich schwer. Viele sind etwas arrogant oder so. Sie denken die USA seien das Größte. Und das ist nicht so meins. Aber ich schaue ohnehin hauptsächlich auf meine Familie. Und wenn meine Fraue denkt, dass uns zwei weitere Jahre in Amerika guttun. Dann bin ich dabei.

Spielt dein Sohn auch schon Fußball?

Ja, ja. Klar! Er liebt Fußball, ist immer motiviert zum Training. Das ist schon mal gut. Er ist elf Jahre alt und lernt schnell. Er spielt an einer Privat-Akademie von einem ehemaligen mexikanischen Profi und trainiert drei Mal die Woche. Das ist schon gut.

„Der BVB soll Meister werden. Das wäre gut“

Verfolgst du noch die Bundesliga?

Ja. Dortmund hat eine super Mannschaft. Ich denke es wird ein Duell mit Bayern um die Meisterschaft geben. Für den deutschen Fußball wäre es besser, wenn Dortmund das packt. Das wäre nicht so langweilig.

Und wo landet Werder Bremen?

Es ist ein bisschen schwer. Sie müssen ihre Konstanz finden. Aber ich bin optimistisch, dass sie in der Rückrunde noch besser werden und es vielleicht in die Europa League schaffen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Send this to a friend