•  

DR. Gerhard Bosselmann: Der bekannteste Bäcker des Landes im Kampf um seine Existenz

Seit Wochen beherrscht das Coronavirus die deutschen Medien. Es wird täglich darüber berichtet, diskutiert und spekuliert. Experten, Politiker und Wissenschaftler wurden inzwischen zu Helden der Nation. Doch es gibt auch andere Menschen, die es verdient haben, gehört zu werden.

So wie der Bäcker, Dr. Gerhard Bosselmann (64), der schon seit über einem Monat ums Überleben kämpft.

Bewegender Appell an seine Kunden 

 

Als Besitzer einer Bäckerei-Kette in Hannover, fürchtet Bosselmann inzwischen um seine Existenz. In seinem Familienbetrieb, den er mit 21 Filialen und 250 Mitarbeiter seit 20 Jahren erfolgreich führen konnte, macht er kaum mehr Umsatz. Mit 50% der Einnahmen kann der fleißige Geschäftsmann seine Mitarbeiter bald nicht mehr bezahlen.

Durch seine emotionale Facebook-Videoansprache an Kunden und Politiker sorgte Gerhard Bosselmann vor kurzem für ein großes Aufsehen. Seine rührende Botschaft wurde 20 Millionen Mal abgespielt und von der Presse unzählige Male kommentiert. Innerhalb von Stunden wurde er zum Gesicht der deutschen Mittelständler und somit zum bekanntesten Bäcker des Landes. In seiner Video-Botschaft erzählte er wie es seinen Mitarbeitern und seiner „Bosselmann“-Kette in Hannover geht.  Unter Tränen appellierte er an die Kunden weiterhin die Bäcker vor Ort zu unterstützen, damit regionale Anbieter die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise überleben könnten. „Sie als unsere Kunden können uns helfen und auch in diesen schlechten Zeiten zu uns halten … Wir brauchen einen bestimmten Mindestumsatz – sonst wird unser Unternehmen nach sechs bis acht Wochen sterben.“

Doch das war nicht der einzige Grund warum Bosselmann weinte

Während seiner rührenden Ansprache, dachte der tapfere Geschäftsmann nämlich an seine eigene Tochter. Elf Monate lang arbeitete er an einem Konzept, um einen neuen Laden für die 25-jährige zu eröffnen. 350.000 Euro hat er investiert. Er wollte seinem Kind eine sichere Zukunft bieten. Doch sieben Tage nach der Eröffnung musste die Filiale geschlossen werden. „Wissen Sie was da in einem Vater vor sich geht?

Keine Tränen mehr

Doch inzwischen ist der gelernte Diplombetriebswirt nicht mehr der verzweifelte, weinende Bäcker aus Hannover. Mittlerweile ist er nur zornig. Besonders auf die Politiker. Dank der fehlenden finanziellen Unterstützung wird er bald weitere Filialen schließen müssen und somit seine loyalen Mitarbeiter nicht mehr bezahlen können.

„Die Politiker sagen, wir helfen dem Mittelstand unkompliziert, schnell, kein Arbeitsplatz wird verloren.“ Es sind alles nur leere Versprechungen die Politiker uns geben.“.

Dr. Bosselmann will nicht mehr belogen werden

Der inzwischen zum Gesicht des deutschen Mittelstandes gewordene Bäcker versucht sich seit Wochen durch den bürokratischen Dschungel durchzukämpfen. Erfolglos. „Das ist krank. Durch alle möglichen Unterlagen, durch Bestätigungen, durch Formulare wird verhindert, dass die Mittelständler überhaupt in den Genuss einer finanziellen Unterstützung kommen.“ 

Jetzt geht er auf die Barrikaden

Dr. Bosselmann hat es satt noch länger zu warten. Er will endlich gehört werden. „Wenn bis Ende April keine aktive finanzielle Hilfe geschieht, wird der Mittelstand in Mengen sterben. Deswegen ist es jetzt Schluss mit Lustig!“.

BOULEWAHR! wünscht Dr. Bosselmann viel Erfolg! 

Text: Anna Karolina Heinrich (BOULEWAHR Vertretung Österreich & Los Angeles)

Fotos: DR. Gerhard Bosselmann

Send this to a friend