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Lina Kolodochka: „Es ist ein langer Prozess!“

Lina Kolodochka ist nicht nur bildhübsch, sondern dazu auch noch super sympathisch. Die ehemalige „Bachelor“-Kandidatin entging nur knapp einer Vergewaltigung! Als Betroffene eines sexuellen Traumas, ist es sehr schwierig mit der Gesamtsituation zurecht zu kommen. In einem exklusiven Interview wollte BOULEWAHR wissen, wie sie es gemeistert hat und wie sich Frauen in solchen Situationen verhalten sollten.
 
Lina Kolodochka / Foto: Instagram
Lina Kolodochka ist eine starke und selbstbewusste Frau. Dennoch wird so ein schreckliches Erlebnis nicht einfach vergessen oder ignoriert. BOULEWAHR wollte wissen, ob dieses Ereignis einen Einfluss auf ihre Gesundheit hat: „Ehrlich gesagt habe ich mir in den letzten Monaten nur wenige Gedanken um meine Karriere gemacht. Ich musste erst schauen, dass es mir psychisch und gesundheitlich besser geht.“ Natürlich leidet auch ihr Studium unmittelbar an den schrecklichen Folgen und sie kann ihre gewohnte Leistung nicht liefern. Aber wie sie sagte, ist dies aktuell nicht der wichtigste Punkt.

 

„Frauen in der heutigen Gesellschaft haben kaum noch Möglichkeiten sich zu wehren!“

Lina Kolodochka auf der Maierl Alm. / Foto: Instagram
Viele Betroffene Frauen wirken vorerst beherrscht und unbeteiligt, wodurch die Grausamkeit des Geschehnisses aber nicht gemindert wird. Aus Scham, Angst, Hilflosigkeit oder dem Ekel vor der Tat gehen viele Opfer nicht zur Polizei, zum Frauenarzt oder wie in Linas Fall, an die Öffentlichkeit. Leider haben die Frauen in der heutigen Gesellschaft kaum Möglichkeiten sich zu wehren. Unsere Gesellschaft sollte vermehrt darauf aufmerksam gemacht werden und es sollte schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden. „In meinem Fall konnte ich mich nur durch laute Schreie schützen und ohne die Zivilcourage der Helfer, wäre ich der Situation ausgeliefert gewesen.“
 

Es ist ein langer Prozess

Bei einer versuchten Vergewaltigung wird oft der Frau die Schuld gegeben. Sätze wie: „Sie ist doch selber Schuld“ oder „Sie zieht sich zu sexy an“ hören Frauen sehr oft. Leider gibt es viele Vorurteile und Lügen rund um das Thema Vergewaltigung. Das ist besonders schlimm, denn dadurch trauen sich viele Frauen nicht, die Tat zu verfolgen und den Täter anzuzeigen. Den Tätern wird somit Mut gemacht und sie haben keinerlei Strafe zu befürchten. Ebenso kann man sich nicht nach einigen Monaten von den Gedanken eines so schlimmen Vorfalls befreien. Es ist ein langer Prozess, in dem man Stück für Stück wieder Kontrolle und Selbstbestimmung zurückerlangt. „Meine Familie und Freunde haben mich dabei stark unterstützt und machen es weiterhin. Beispielsweise begleiten sie mich in der Dunkelheit zum Auto oder telefonieren mit mir bis ich ankomme. Mir gibt es auch eine gewisse Sicherheit zu wissen, dass im Ernstfall jemand handeln kann.“
 
Das traumatische Erlebnis schränkt Lina in ihrem alltäglichen Leben stark ein. Sie fährt kaum noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und selbst kurze Strecken, vor allem in der Dunkelheit, bereiten ihr große Angst. Es genügt nur, dass ein Mann plötzlich um die Ecke kommt, schon wird sie panisch. Sie hofft aber, dass sie mit der Zeit diese Angst ablegen kann.

Versuchte Vergewaltigung oder eine vollbrachte Vergewaltigung?

Egal ob eine versuchte oder eine vollbrachte Vergewaltigung. In beiden Fällen handelt es sich um ein sehr persönliches Thema und somit entscheidet jeder für sich selbst, wie er damit umgehen möchte. Lina ist jedoch der Auffassung, dass die Täter nicht so leicht davon kommen sollten und eine gerechte Strafe verdient haben. Eine Strafe ist aber nur möglich, wenn man die Situation jemanden anvertraut und die Täter anzeigt. Lina hilft es sehr darüber in der Öffentlichkeit zu reden und sie kann es dadurch besser verarbeiten.
 

„Seit meiner Bekanntmachung in der Presse habe ich unzählige Nachrichten bekommen“

Über den Dächern von Büyük Valide Han. / Foto: Instagram
„Seit meiner Bekanntmachung in der Presse, habe ich unzählige Nachrichten bekommen, in denen sich Mädchen mir anvertraut haben. Sie erzählen mir, dass ihnen auch so etwas passiert ist.“ Leider erzählten ihr die Mädchen auch, dass die Täter oft keine Strafe bekommen haben. Das erschreckt Lina am meisten und sie möchte, dass solche Vorfälle ernst genommen werden! Außerdem möchte ich zeigen, dass man sich selbst in so einer schlimmen Situation, wehren muss und es immer noch gute Menschen gibt, die einem zur Hilfe eilen.“ Auch hier ist es wichtig zu betonen, wie wichtig die Zivilcourage ist und dass man bei Hilferufen sofort handeln sollte. Für solche Vorfälle gibt es viele Institutionen, die einem helfen können.
 
Lina persönlich war bei der Organisation „Opferhilfe“ und hat dort viel Unterstützung bekommen. Dort kann man sich einen Scheck ausstellen lassen, mit dem man eine kostenlose Rechtsberatung bekommt, teilt uns Lina mit. Außerdem werden einem viele Möglichkeiten aufgezeigt, bei denen man sich psychologische Hilfe holen kann. Des Weiteren gibt es eine Möglichkeit der „psychosozialen Prozessbegleitung“, die auch Lina in Anspruch genommen hat. Diese gewährleistet, dass man bei dem Prozess Unterstützung erhält. Für Lina spielt die Familie und ihre Freunde eine sehr wichtige Rolle und diese helfen ihr mit der Situation umzugehen. Aber egal ob das persönliche Umfeld oder anonyme Einrichtungen, es ist wichtig, dass man sich jemanden anvertrauen kann und versucht, eine Lösung zu finden.
 

Die Gesetze müssen verschärft werden

Lina Kolodochka / Foto: Instagram
Lina ist der Meinung, dass der Richter im Rahmen des Gesetzes gerechtfertigt entschieden hat. Auch die richterliche Aussage, dass in diesem Fall keine Bewährung möglich ist, findet sie nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz sollten die Gesetze zu diesem Thema verschärft werden. Das es zur keiner tatsächlichen Vergewaltigung gekommen ist, war Linas pures Glück und den Umständen zu verdanken. Es war Winter und sie hatte viel Kleidung an, dadurch konnte Schlimmeres verhindert werden. Der Täter hatte jedoch die Absicht seine Tat zu vollbringen und das ist was im Endeffekt bestraft werden muss! Gerade im Hinblick darauf, künftig andere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen.
 
BOULEWAHR bedankt sich ganz herzlich bei Lina Kolodochka für dieses offene Interview und wünscht ihr viel Kraft und alles Liebe und Gute für die Zukunft.

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