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Queen Diambi Kabatusuila: Ihr Weg zur Königin der Herzen von Afrika

Das alljährlich stattfindende Weltwirtschaftsforum feiert seinen 50. Geburtstag. Eine Schweizer Bergkurort wird jedes Jahr im Januar zur internationalen Wirtschaftsmetropole. Führungskräfte aus der Wirtschaft, Leaders von NGOs, Botschafter, Präsidenten und Weltpolitiker, Stars und Aktivisten treffen sich zum offenen Dialog. 

Queen Diambi Kabatusuila

Vor dieser weltweiten Kulisse treffen wir uns mit Queen Diambi Kabatusuila of the Bakwa Luntu People of Central Kasaï in the Democratic Republic of Congo, im Weiteren Queen Diambi genannt, zu einem ihrer seltenen Interviews, mitten in Davos. 

Sie ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, sehr offen, bestens gelaunt, mit viel Charisma und einem überzeugenden Auftritt. In typisch afrikanischer Kleidung empfängt sie uns mit ihrem Zepter, dem königlichen Amtsstab, Ausdruck ihres Titels und ihrer Position.

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Zuerst erklärt sie uns, woher sie kommt. Sie sagt: „Ich bin die Königin der Bakwa Luntu, die zum Luba-Volk von Kasaï gehören, einer der größten ethnischen Gruppen in Afrika. Die Luba werden in der DRK auf 15 Millionen geschätzt, befinden sich aber auch in anderen Ländern wie Angola, Sambia und Tansania. Das Luntu-Volk zählt etwa 1,5 Millionen Menschen in Zentralkasai, könnte aber weltweit etwa 3 Millionen betragen.“ Als Königin, die auf dem Ahnenthron ihrer Vorfahren sitzt, repräsentiert sie die Geschichte und das Vermächtnis eines traditionellen afrikanischen Erbes. Im globalen Kontext möchte sie Afrika mit einer anderen Art von Stimme vertreten.

Für Queen Diambi ist die Geschichte des alten Afrikas wichtig und muss studiert und mit anderen geteilt werden, damit Afrika heute wirklich genauer und aussagekräftiger dargestellt und verstanden werden kann, anders als es die westlichen Industrienationen derzeit zeigen.

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Was sie antreibt, ist, dazu beitragen zu können, die wichtigen Werte hervorzuheben, die den Menschen in Afrika wirklich am Herzen liegen. Die meisten Afrikaner wollen in ihren wahren Grundwerten anerkannt werden: Respekt vor allem Leben, Würde, Solidarität, Mitgefühl, Großzügigkeit, Gastfreundschaft usw. Einer der Grundwerte ist die Ehrfurcht vor der Lebenskraft, die alles, was existiert, durchdringt. Das Zelebrieren dieser Kraft drückt sich aus durch die Liebe zu allen künstlerischen Ausdrucksformen, farbenfrohe Mode, hervorragende Handwerkskunst und Schmuckdesign, Liebe zur Musik und Vibration, exquisite und vielfältige Küche und vieles mehr. Die Traditionen enthalten nicht nur die Geschichte ihres Volkes, sondern bewahren auch die Weisheit und das Wissen, das über Tausende von Jahren gesammelt wurde. Zu diesem wertvollen Erbe können wir viele Naturheiler zählen, die mit der Heilkraft unzähliger Pflanzen ihrer Region sehr vertraut sind. 

Die Queen ist für ihren Stamm die Mutter Afrikas, die Werte ehrt, die Traditionen aufrechterhält und ihrem Volk zuhört und zur Seite steht. Vor fast 4 Jahren wurde sie in Dimbelenge gekrönt, und ihr Leben hat sich völlig verändert. Diambi bedeutet, dass sie diejenige ist, die dem Volk gute Nachrichten bringt, und dass sie diejenige ist, die schöne Geschichten erzählen kann, um zu unterhalten und zum Lachen zu bringen.

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Queen Diambi wuchs in Kinshasa auf, bis ihre Eltern in den 80er Jahren vor dem Mobutu-Regime fliehen mussten. Ihr Vater war Diplomat, ein Botschafter, er hatte keine Schwierigkeiten, sich an das Leben in der westlichen Welt anzupassen, da ein Großteil des Vermächtnisses der belgischen Kolonisierung, in der er geboren und aufgewachsen ist, darin bestand, die westlichen Werte und den westlichen Lebensstil nachzuahmen, was auch heute noch in einem modernen postkolonialen Afrika Bestand hat, während das Festhalten an Traditionen und authentischer Lebensweise stark abgelehnt und verpönt wurde. Queen Diambi sagte: „Mein Vater hat mir und meinen Geschwistern nie erzählt, dass wir königlicher Herkunft sind, bevor wir 40 waren. Da meine Mutter eine weiße Belgierin ist, bin ich in zwei Welten aufgewachsen, die eine war „wunderbar“ weiß, die andere „hässlich“ schwarz.“

Sie sagt weiter: „Von nun an lebten wir in Europa, und erst jetzt begann ich, meine wahre Liebe zu Afrika zu entdecken, da ich mein Leben in Kinshasa immer mehr vermisste, da mich die in Europa verbrachten Jahre von zu Hause fern hielten. Das Leben in Afrika war geprägt von einem ganz besonderen Geist der Gemeinschaft, der Solidarität, der Nachbarschaft, der gegenseitigen Hilfe, und wir haben alles zusammen gemacht. In Europa war es ganz anders. Die Menschen waren weniger hilfsbereit und eher individualistisch und materialistisch. Natürlich litt ich, weil die Tagestemperaturen viel kälter waren, eine Zeitlang fiel es mir schwer, meinen Platz zu finden, und ich fühlte mich allein, ich wollte nach Hause zurückkehren.

In der Schule wurde ich wegen meiner Hautfarbe oder der Beschaffenheit meiner Haare gehänselt. Gott sei Dank hatte ich genug Selbstvertrauen, um gut damit umzugehen, und mit der Zeit wurden die ersten Freundschaften geschlossen, und ich lernte mein Leben in Belgien schätzen und genoss die kulturellen Unterschiede.

Nach meiner Schulausbildung ging ich nach Amerika, wo ich begann, die 5000 Jahre alte Geschichte des afrikanischen Kontinents zu studieren. Zunächst hatte ich keine Ahnung, wie reich und wohlhabend die Geschichte des afrikanischen Kontinents war, aber ich lernte schnell, da ich Zugang zu Unmengen von schwarzen Geschichtsbüchern hatte, und Anfang 20 besuchte ich Seminare und Vorlesungen von namhaften Referenten, wo ich viel über ein Afrika lernte, von dem ich absolut nichts wusste, obwohl ich den größten Teil meines Lebens dort verbracht hatte, weil die Informationen über unsere Geschichte nicht jedem zugänglich waren und schon gar nicht in den Schulen.

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Später zog ich nach Europa zurück, um meiner Familie nahe zu sein, ich heiratete und bekam zwei Söhne. Nur wenige Jahre nach meiner Rückkehr verließen meine Eltern Belgien und kehrten in den Kongo zurück. Elf Jahre nachdem wir mit meiner Familie in Belgien gelebt hatten, verließen wir Belgien und zogen in die USA um.

Weitere 12 Jahre vergingen, ohne dass ich meinen Vater sah, der nun mit seiner Familie in der D.R. Kongo lebte. Für mich war mein Vater immer mein Anker in Afrika. Als ich ihn 2016 besuchte, wollte ich sehen, wo er geboren wurde, wo meine Wurzeln liegen. Ich stellte mir viele Fragen über meine eigene Identität. Ich wollte etwas über das Heimatland meines Volkes wissen und was es wirklich bedeutet, eine Luba zu sein? Wie war es in Kasaï?

Als ich in Kananga und dann in meiner Gegend Dimbelenge ankam, verliebte ich mich wieder in dieses wunderbare Land, mit seiner großen Energie, mit seinen bewundernswerten Menschen. Wir feierten unser Familientreffen viele Tage lang, sangen und tanzten. Nur wenige Monate vor meinem Besuch in Kasaï in diesem Jahr teilte mein Vater mir zum ersten Mal den Grund mit, warum er mir meinen Namen gab, den Namen meiner Urgroßmutter – Diambi. wir fuhren zu ihrem Geburtsort. Was dort geschah, ist noch immer unbeschreiblich, absolut unerwartet für mich und hat mein Leben völlig verändert.